Prof. Dr. Wolfgang Appel
Persönliches

Am 1.10.2007 begann mein neuer Lebensabschnitt, als ich aus der wettbewerbsintensiven, aber teamorientierten Praxis in die eher individualistische Hochschulwelt wechselte. Ich traf an der Hochschule auf motivierte Professoren und freundliche, interessierte Studenten. Das Kollegium ist menschlich prima, das Verhältnis zu den Mitarbeitern in Verwaltung und Technik ist kollegial und man bekommt viel Unterstützung und Ermunterung. Über allem schwebt der sehr saarländische Geist des „Leben und leben lassen!". Die Studierenden lernen und feiern gern und pflegen ihre regionale Verbundenheit – ein Grund mehr, warum ich mich als bekennender Mainzer dort sehr wohl fühle.

Bei der BASF hatte für mich so weit alles gepasst: mit den Personalservices hatte ich die Aufgabe gefunden, die mir auf den Leib geschnitten war; ich hatte den besten Chef der Welt und genoss die Annehmlichkeiten eines Weltkonzerns. Dennoch war in mir immer die Ahnung, dass es noch ein anderes Leben für mich gibt. Das habe ich dann an der Hochschule gefunden. Arbeit habe ich heute so viel wie zuvor, aber mit einer ungeheuer hohen Autonomie, was ich sehr genieße.

Was mir außerhalb meines beruflichen Lebens wichtig ist::

  • Meine Familie
  • Lesen - meine aktuellen Buchtipps:

Wolfgang Herrndorf: "tschik". Wann hat zum letzten Mal ein deutscher Autor Jugendliche so treffend portraitiert? Mitreißend, zum Brüllen komisch - ich verstehe jetzt meine Studenten deutlich besser.

Hans Fallada: "Jeder stirbt für sich allein". Als große Wiederentdeckung wird der 1946 erschienene Roman gefeiert und dies zu Recht. Ein großartiges Dokument des Muts der kleinen Leute in einem von Angst und Fanatismus beherrschten Berlin der Kriegsjahre. Ich war zutiefst beeindruckt und habe mich beim Lesen immer wieder gefragt, ob ich selbst den Mut zum Widerstand gehabt hätte wie Anna und Otto Quangel?

Sönke Neitzel, Harald Welzer: "Soldaten". Die beiden Sozialwissenschaftler haben Abhörprotokolle deutscher Kriegsgefangener in amerikanischen und englischen Lagern aus den Jahren 1941 bis 1945 ausgewertet. Da die Soldaten sich unbeobachtet fühlten, entstanden authentische Bilder. Der Blick auf den Krieg wird zwar dadurch nicht grundsätzlich verändert, wie der Spiegel auf dem Kladdentext zitiert wird, jedoch bröckelt das Bild des ehrenhaft kämpfenden und von den Greueltaten der Nazis unberührten Wehrmachtsangehörigen. Die Autoren erheben sich jedoch nicht mit großer moralischer Geste über die Soldaten, sondern ordnen die Äußerungen in einen "Referenzrahmen" ein. Diese Methode war mir bislang nicht bekannt, ich möchte sie aber in Zukunft gerne nutzen, um Studierenden das Konstrukt der Empathie, das Hineinversetzen in die Gefühle und Erlebniswelt des Gegenübers, zu vermitteln.

Randy Pausch: "Last Lecture: die Lehre meines Lebens". Den sicheren Krebs-Tod vor Augen hält Randy Pausch, Professor für Virtual Reality an der Carnegie Mellon-University in Pittsburgh, eine Vorlesung über seine wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen. Ein mitreißendes und bewegendes Buch voll Weisheit und Esprit. Die Last Lecture" ist auch auf You-Tube zu sehen!

Khaled Hosseini: "Drachenläufer" - durch das Buch erhält man eine Ahnung, welch ein schönes Land Afghanistan einmal gewesen sein muss und warum es wichtig ist, dass wir uns aus diesem Konflikt nicht heraushalten.

Bernard Cornwell: "Der letzte König", "Der weiße Reiter", "Schwertgesang", „Die Herren des Nordens", „Das brennende Land" - handelt von den Wikinger-Einfällen im England des frühen Mittelalters. Irgendwie immer das gleiche Schlachtengetümmel und Testorsterongebolze, aber hoher Suchtfaktor da super zum Abschalten.

Carlos Riuz Zafon: "Das Spiel des Engels", eine düstere Kriminalgeschichte in einem aufgepeitschten,
geheimnisvollen, aber irgendwie auch heimeligen Barcelona der 30er Jahre. Das Ende bleibt offen,
erspart aber ein langwieriges Erklärungskapitel wie am Ende der Harry Potter-Romane. Eine Frage bleibt
damit ungeklärt: Wer war der Engel? Der Teufel oder vielleicht das Alter Ego des Autors wie bei
Dr. Jeckyll und Mr. Hyde? Im Oktober 2010 habe ich Barcelona und die Stätten der Zafonschen Romane besucht - ein ganz besonderer Kitzel.

  • Daneben schwöre ich auf die FAZ-Sonntagszeitung.
  • Unser Garten
  • Mainz 05: noch ein weiteres Jahr erste Liga wäre schön!